Die beste Absicht nützt nichts, wenn sie mit Naivität einhergeht. Diese Kombination ist der Grund dafür, dass ein Schwimmbad in Schwäbisch Gmünd nach dem Schauspieler Bud Spencer benannt wird. Und auch nur deshalb, weil die Stadtoberen nicht gewillt sind, den eigentlichen Willen des Volkes umzusetzen. Das hat nämlich über eine von der Stadt iniitierten Facebook-Abstimmung entschieden, dass ein neu gebauter Tunnel den Namen des Film-Haudegens tragen soll. Den Bud-Spencer-Tunnel wird es in Schwäbisch Gmünd nicht geben. Das Freibad passt auch besser, denn der ehemalige Profischwimmer tauchte einst seinen stählernden Körper ins Gmünder Nass.
Wer hätte gedacht, dass eine Facebook-Aktion weitere Kreise zieht, als es sich die Initiatoren wünschen? Genau, eigentlich alle, die die Nachrichten zu den Facebook-Partys mitbekommen haben. Schwäbisch Gmünd, herzlich willkommen im Zeitalter von Social Media und Vernetzung!
Die Konterkarierung solcher Abstimmungen hat immer ein wenig mit dem Aufbäumen des Volkes gegen die Obrigkeit zu tun. Man widersetzt sich dem gutgemeinten Gedanken und nutzt die gegebene Partizipationsmöglichkeit, um der Staatsgewalt eins auszuwischen. Dafür eignet sich das Internet besonders gut. Nach dem Abriss des altehrwürdigen Wembley-Stadions wurde per Internet ein Name für die Brücke, die zum Neubau des Stadions führt, gesucht. Anlässlich des letzten Fußballspiels im alten Wembley (England gegen Deutschland, Deutschland gewann 1:0 durch Didi Hamann) votierten viele Deutsche für den Namen Didi-Hamann-Bridge. Die Engländer brachen kurzerhand die Abstimmung ab. Gut, hier ging es nicht direkt gegen die Staatsgewalt, aber die Didi-Hamann-Bridge ist ebenfalls ein Beispiel für die Unberechenbarkeit des Internets.
Leider wird das Internet viel zu selten dazu genutzt, um der Staats- oder sonstigen Gewalten wirklich einmal den Volkswillen um die Ohren zu hauen. Als BP die Ölplattform Brent Spa im Atlantik versenken wollte, tankte kurzerhand niemand mehr bei BP und der Konzern lenkte ein. Das war 1995, lange vor Facebook, Twitter und Co. Solche Boykotts gegen umweltschädigendes, unsoziales oder unmenschliches Verhalten müssten über Social Media doch noch einfacher zu realisieren sein.
Aber nein, Lebensmittel-Discounter behandeln ihre Mitarbeiter wie moderne Sklaven und wir kaufen dort immer noch ein, obwohl der nächste Markt nur wenige hundert Meter weiter weg ist. Uns wird Analog-Käse und Klebefleisch aufgetischt, aber wer nennt solche Produkte eigentlich beim Namen, damit wir sie in den Regalen links liegen lassen können? Wo sind die Aufrufe zum Boykott? Wo bleibt Bud Spencer, der als fleischgewordener Volkszorn den Bösewichten mit der blanken Faust eine Kopfnuss verpasst?
Zum Schluss ein Marketingtipp für alle Kurorte, die mit der Zeit gehen wollen: Wie wäre es mit der Umbennung in Bad Spencer? Ein entsprechendes Filmfestival, auf dem nochmal “Sie nannten ihn Mücke” oder “Plattfus in Afrika” zu sehen wären, würde sich geradezu aufdrängen. Demnächst kommen auch die Liebhaber solcher Filme ins Kurort-Alter.