Eine politische Entschuldigung ist ein Reuezeugnis, in dem das Wort Entschuldigung nicht vorkommt. So sagt man heutzutage auf der politischen Bühne Entschuldigung, ohne Entschuldigung zu sagen. Politiker bitten halt nicht nicht gerne um etwas, sie fordern lieber. Aber der Satz “Ich fordere Sie hiermit auf, mir zu verzeihen!” ist dann doch etwas zu provozierend.
Die Entschuldigung, hoppla, gemeint ist natürlich die Erklärung des Bundespräsidenten Christian Wulff, ist ein Paradebeispiel für die politische Entschuldigung. Kurz und knapp erklärt Wulff, was eigentlich los ist und bedient sich des zweiten wichtigen Gesetzes der politischen Entschuldigung: Ihr Gehalt kann noch so dürfitg sein, Hauptsache man erklärt sich.
Oder glaubt wirklich jemand, dass ein ehemaliger Minister- und jetziger Bundespräsident nicht das Gespür dafür hat, was zwar juristisch einwandfrei, aber moralisch antastbar ist? Wen will Wullf eigentlich für dumm verkaufen? Andererseits saßen auch Leute an den Hebeln der Macht, die uns versichern wollten, man steige am Münchener Hauptbahnhof in Flugzeuge ein oder dass das Kopiern mehrerer Seiten durchaus unbewusst erfolgen könne. Mit was für Trotteln haben wir es hier eigentlich zu tun? Oder sind gar wir die Idioten, dumm genug, solche Typen nicht vom Hof zu jagen?
Was bleibt also übrig, wenn auch die Erklärung einer Entschuldigung zur Farce verkommt? Lediglich die Feststellung “Das war so nicht ganz okay” – sprach der Politiker mit medial trainierter Reuemimik und macht weiter, als wäre nichts gewesen. Aus seiner Sicht war ja auch nichts. Der ganze Stress kam nur auf, weil die Medien mal wieder einen Skandal brauchten oder der eigene PR-Berater Mist gebaut hat.
Spricht mir aus der Seele. Wulff vermied bewuss das Wort Entschuldigung.
http://machtelite.wordpress.com/2011/12/22/gradlinige-bigotteriewarum-christian-wulff-sich-nicht-entschuldigte/