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Posts Tagged ‘Bildung’

In den vergangenen Tagen wird in der Presse viel aus der Online-Umfrage der Bertelsmann Stiftung „Zukunft durch Bildung  – Deutschland will’s wissen“ zitiert. Es ist die Rede vom Zentralabitur in ganz Deutschland, Garantien für Ausbildungsplätze oder – was sehr gerne genommen wird – die Bereitschaft von fast drei Viertel der Befragten, für eine bessere Bildung höhere Steuern zahlen zu wollen.

Warum es sich bei dieser Umfrage nach Meinung des Nachdenkseiten-Autors Wolfgang Lieb schlichtweg um eine Werbekampagne für die Unternehmensberatung Roland Berger, Bertelsmann, Bild-Zeitung und Co. handelt und welchen Gehalt die einzelnen Fragen der Erhebung haben, wird hier erklärt.

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Am Wochenende haben die Hamburger über das Primarschulprojekt entschieden. Alle Hamburger? Nein, denn wie so oft bei einem Volksentscheid interessiert sich die Mehrheit nicht die Bohne dafür. Die Schweizer können ein Lied davon singen (mehr dazu hier). Die Entscheidung hat das Lager der Primarschulgegner gewonnen, das hauptsächlich aus Besserverdienern besteht, die ihre Sprösslinge möglichst früh vom faulen und lernschwachen Pöbelnachwuchs fern halten wollen. So soll es in Zukunft in der Hansestadt sein. Das Hamburger Projekt bestand aus einer sechsjährigen Primarschule, bevor die Kinder getrennt auf weiterführende Schulen gehen sollten. In Hamburg bleibt nun die vierjährige Grundschulzeit.

Spiegel Online berichtet, dass in den wohlhabenden Bezirken die Wahlbeteiligung im Vergleich zu sozialen Brennpunkten teilweise doppelt so hoch lag. Das bürgerliche Lager konnte seine Anhänger weit besser mobilisieren als die Primarschulbefürworter, obwohl diese oder zumindest die, die von der Reform Vorteile zu erwarten gehabt hätten, zahlenmäßig in der Mehrheit sind.

Dabei wäre die Hamburger Primarschule ein Versuch der Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse gewesen. Im Interview mit der „Zeit“ sagt der Bildungsökonom Ludger Wößmann: „Auf jeden Fall [..] ist die Bildungsungerechtigkeit größer, je früher die Schüler auf verschiedene Schularten aufgeteilt werden.“ Das hätten seine Studien gezeigt, so Wößmann. „Arbeiterkinder lernen weniger als Oberschichtkinder, auch wenn sie genauso intelligent und fähig sind. Das ist moralisch verwerflich und ökonomisch unvernünftig.“

In anderen Staaten werden Schüler länger gemeinsam unterrichtet. „In Deutschland sollte man die Kinder nicht schon nach der vierten Klasse auf verschiedene Schularten aufteilen“, so Wößmann im „Zeit“-Interview. Letzten Endes ist dies ein Schuss ins eigene Knie.  Laut Pisa-Studie kann nahezu ein Viertel der 15-jährigen nicht richtig lesen und schreiben. Wer sich bereits heute über den Mangel an Fachkräften beschwert, möge bitte abwarten, bis diese Schüler die Arbeitswelt betreten. Ihr Besuch dürfte nur von kurzer Dauer sein, ihr Aufenthalt im Land der Arbeitslosigkeit dafür umso länger. Ein schlechtes Bildungssystem schwächt die Wirtschaftskraft.

Die Hamburger Primarschulgegner scheinen diese wissenschaftlichen Ergebnisse nicht weiter zu interessieren. Das demokratische Mittel des Volksentscheids offenbarte einmal mehr seine Schwächen. Den Sieg fuhr eine politische Propaganda ein, genährt vom Geld weniger Priviligierter. Die „Schön-Wetter-Elite“, wie Kabarettist Georg Schramm die Oberschicht nennt, zeigt einmal mehr, dass sie sich einen Dreck um das Wohlergehen der Minderbemittelten kümmert.

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