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Posts Tagged ‘Fairness’

Scheinheiliger Schweizer

Tranquilo Barnetta ist sauer. Mit dem Schweizer Fußballnationalteam unterlag er Chile in Unterzahl mit 1:0. Erzürnt schimpfte Barnetta nach dem Spiel über Arturo Vidal, mit dem Barnetta gemeinsam bei Bayer Leverkusen gegen den Ball tritt. Nach Aussage des Schweizers habe sich Vidal eine Schauspieleinlage gegönnt und so die Rote Karte gegen Valon Behrami provoziert.

Klar, in der Hitze nach dem Gefecht sagt man manchmal Dinge, die man besser nicht sagen sollte. Aber offener als in diesem Fall kann die Scheinheiligkeit eines Profisportlers nicht zu Tage treten. Hat sich Barnetta jemals im Dress von Bayer Leverkusen gegenüber den Medien über Vidal beschwert? Natürlich nicht, denn bei Bayer steht man ja auf der gleichen Seite. Schauspieler und Treter – und Vidal gehört sicherlich zu beiden Kategorien – werden mindestens geduldet.

Das ändert sich, wenn die Spieler die Trikots ihrer Nationalteams überziehen. Was im Club noch stillschweigend (jedenfalls stillschweigend gegenüber den Medien) hingenommen wird, ist plötzlich ein Skandal. Barnetta wird in der heutigen Ausgabe der Westfälischen Nachrichten sogar mit der Aussage zitiert, dass Vidal solche Schauspieleinlagen auch im Verein hinlege. Das war für den Schweizer bislang aber kein Grund, Vidal öffentlich an den Pranger zu stellen.

Eine Aussprache zwischen den Bayer-Profis kann eigentlich nur zwei Folgen haben: Entweder Vidal verzichtet auf den Einsatz seines schauspielerischen Talents oder Barnetta steht weiterhin zu seiner Kritik, womit er sich allerdings über kurz oder lang selbst aus der Mannschaft nehmen würde. Also wird irgendwann die Meldung auftauchen, dass sich beide ausgesprochen haben und alles wieder in Ordnung ist.

Es wäre schön, wenn bei Vidals nächster Einlage im Bayer-Trikot ein Journalist Barnetta in Bezug auf den jetzigen Vorfall nach seiner Meinung fragen würde. Die belanglose Antwort kennen wir aber alle schon: Das ist nicht schön, aber es passiert halt mal, das ist Fußball usw. usf.

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Unter „Keine Angst, der will nur spielen!“ habe ich meine Gedanken zu Maik Franz‘ Erklärung zu den Rassismusvorwürfen des Mainzer Fußballer Aristide Bancé veröffentlicht. Natürlich interessierte mich auch die Meinung von Maik Franz dazu, wie jemand über ethische und moralische Werte sprechen kann, seine Gegenspieler aber ohne Respekt behandelt. Also habe ich meinen Eintrag bei Twitter leicht geändert ins Gästebuch unter http://www.iron-maik.de eingetragen.

Bevor der Eintrag online geht, wird er geprüft. Meiner hat diese Prüfung allem Anschein nach nicht bestanden. Inzwischen sind Einträge in Maik Franz‘ Gästebuch zu lesen, die nach meinem eingestellt wurden. Eine kritische Auseinandersetzung ist offensichtlich nicht erwünscht.

Die Prüfung scheint nicht sehr intensiv zu sein. Seit Montag Abend ist ein Eintrag von mir online, in dem ich Maik Franz lobe und ihn als Vorbild für jugendliche Fußballer bezeichne. Damit haben die Verantwortlichen der Website anscheinend keine Probleme. Ich habe den zweiten Eintrag unter den gleichen Kontaktdaten verfasst wie den ersten. Hätten sie genauer hingeschaut, wären ihnen meine konträren Meinungen über Maik Franz aufgefallen.

Vielleicht ist das Gästebuch nicht der richtige Ort, um Maik Franz auf seine Spielweise anzusprechen bzw. ihn zu kritisieren. Eine Veröffentlichung meines ersten Eintrags (evtl. mit einer Antwort von Maik Franz) hätte aber gezeigt, dass sich der Spieler tatsächlich um seine ethischen und moralischen Werte Gedanken macht und nicht nur einfach darüber herumschwafelt. Schade, aber irgendwie passend.

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Aristide Bancé, Stürmer des FSV Mainz 05, warf dem Frankfurter Maik Franz vor, der Eintrachtspieler habe ihn rassistisch beschimpft. Interessant ist die Stellungnahme von Franz, die er auf seiner Homepage veröffentlicht hat. „So etwas entspricht nicht meinen ethischen und moralischen Vorstellungen“, sagt Franz, den man im Web übrigens unter http://www.iron-maik.de findet. Im Umgang mit seinen Gegenspielern lässt Franz also seine ethischen und moralischen Vorstellungen einfließen, ausgehend davon, dass er die Wahrheit sagt und Bancé nicht rassistisch beschimpft hat.

Franz zählt nicht zu den Raubeinen, die in der Foulstatistik Saison für Saison ganz oben stehen. Franz schlägt verbal zu, tritt sozusagen nicht auf den Knöchel des Stürmers, sondern auf dessen Nervenkostüm herum, bis dieser entnervt den (Zwei)kampf aufgibt – und Franz gewinnt. Doch kann man sich über einen solchen Sieg freuen, ein Sieg, der mit fußballerischem Talent nichts zu tun hat?

Wenn diese Auffassung des Fußballsports Maik Franz Vorstellungen von Ethik und Moral widerspiegeln, dann gute Nacht. Vielleicht zählt Rassismus nicht dazu, aber ebenso geht ihm der Respekt vor seinem Gegenspieler ab. Wie, wenn nicht mit Beschimpfungen, bringt man den Gegenspieler aus dem Gleichgewicht? Durch Komplimente bestimmt nicht.

Auf dem Spielfeld gibt es immer wieder Situationen, in denen auch der ruhigste Spieler mit seinem Gegenüber aneinander rasselt. Aber Franz macht solche Situationen zu seiner Profession, indem er sie absichtlich provoziert. Er macht sie zum Bestandteil des Fußballs. Sie gehören dort aber ebenso wenig hin wie das absichtliche Handspiel.

Schlimmer noch ist die Akzeptanz solcher Spielernaturen, wenn Trainer sagen, dass einer wie Maik Franz in ihr Team passe oder wenn es auf den TV-Fußballstammtischen heißt, dass der Zuschauer solche Spieler ja sehen will. Gemeint ist dann meistens, dass der Fan Einsatz und Kampf sehen will. Doch Spieler wie Franz sehen sich dadurch in ihrer Art des Fußballspielens bestätigt. Es fehlt an Differenzierung, denn niemand kann ernsthaft wollen, dass „Trash Talk“ auf einmal den erfolgreichen Sportler auszeichnet.

Das Image des „Bad Boy“ ist nicht neu im Sport. Doch eigentlich sollte sich kein Sportler damit wohl fühlen. Es sei denn, er ist kein Sportler sondern Schauspieler. Wer es von den Medien auferlegt bekommt, sollte sich dagegen wehren und es nicht pflegen. Ansonsten sollte sich derjenige einmal Gedanken um seine moralischen Werte machen.

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So, ab jetzt wird’s in Sachen Thierry Henry lustig. Dessen Werbepartner Gillette hat auf seine Verfehlung im WM-Qualifikationsspiel gegen Irland reagiert, als der französische Stürmer den Ball mit der Hand spielte und so das 1:1 einleitete, das Frankreich im nächsten Jahr einen Aufenthalt in Südafrika sicherte, während sich die Iren daheim im Pub ärgern dürfen.

Gillette hat laut Horizont.net (vielen Dank an Ben für den Link) ein Motiv mit dem Stürmer auf seiner Homepage geändert. Nun ist Henry zu sehen, wie er seine linke Hand in der Hosentasche verschwinden lässt. Zuvor hielt Henry mit dieser Hand einen Fußball fest. Unglaublich aber wahr: Genau mit dieser und keiner anderen seiner Hände besiegelte Henry das Schicksal der irischen Bevölkerung (außerhalb Nordirlands). Was wusste Gillette über diese Hand? Sollte uns das Motiv mit dem Ball in der Hand eine Warnung sein?

Wie dem auch sei, auf dem Bild sind neben Henry noch Tennisikone Roger Federer aus dem Baustoppland Schweiz sowie Golfer Tiger Woods zu sehen. Moment mal, Tiger Woods? War da nicht was? Genau, der Tiger hat eine Liebesaffäre auf seiner Homepage (indirekt) zugegeben. Glücklicherweise hat Gillette die drei Sportler nicht nackt abgebildet, sonst müsste jetzt auch bei Tiger Woods etwas retuschiert werden. Warten wir mal ab, was uns Federer anbietet, damit die Grafiker von Gillette wieder Hand anlegen müssen. Die dürfen das ja.

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Thierry Henry ist zum geprügelten Hund geworden. Nicht nur die Iren, sondern auch die eigenen Landsleute zeigen mit dem Finger auf ihn und stellen den Franzosen für sein Handspiel an den Pranger. Richtig so, meint man im ersten Moment sagen zu müssen. Wer sich unfair verhält, gehört mit Spott überhäuft. Dabei zerreißen sich allerdings auch all diejenigen das Maul über Henry, die in seiner Situation ganz genauso gehandelt hätten.

Das Handspiel hat insofern Brisanz, als dass es das entscheidende Tor einleitete, durch das die Iren nicht, dafür aber die Franzosen trotz dürftiger Leistung in den Relegationsspielen zur Weltmeisterschaft nach Südafrika fahren. Dennoch bleibt es, was es ist: ein Regelverstoß. Ein Verstoß, der nicht geahndet wurde, ein Verstoß, wie er im Fußball bis hinab in die Kreisligen permanent vorkommt und immer wieder die Gemüter erhitzt.

Eben jene Gemüter mögen bitte jetzt einmal einen Schritt nach vorne machen, die sich aufrichtig davon freisprechen können, auf dem Fußballfeld in einer ähnlichen Situation nicht wie Henry zu handeln. Das ist für die Iren natürlich nur ein schwacher Trost, aber sie können ja nun nach dem Handspiel von Henry mit einem neuen Fairness-Gedanken den Fußball verändern, indem sie solche von ihnen verursachten Regelverstöße in Zukunft sofort beim Schiedsrichter anzeigen.

Das gilt übrigens nicht nur für die Iren. So wie der Regelverstoß ein Regelverstoß bleibt, bleibt Henry der Übeltäter. Der Umgang mit seiner Person spricht ihn nicht von seinem Vergehen frei. Er verdeutlicht indes die Scheinheiligkeit des Profisports. Frankreich liebt den Verrat, aber nicht den Verräter.

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