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So spricht der sterbende Werner II. von Attinghausen in Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ (4. Aufzug, 2. Szene). Einigkeit verlangt Attinghausen von den Schweizern gegenüber den verhassten Österreichern. Einigkeit, überraschende Einigkeit, zeigten die Schweizer beim Volksentscheid gegen den Bau weiterer Minarette. Fast 60 Prozent stimmten für die Aufnahme eines entsprechenden Verbots in die Schweizer Verfassung.

Doch sind sich die Schweizer wirklich so einig? Abgestimmt haben fast 55 Prozent, was für einen Volksentscheid einerseits recht viel ist, andererseits aber auch belegt, dass nur ein Drittel der Schweizer Stimmberechtigten gegen weitere Minarette ist. Nun weiß man nicht, wie die abgestimmt hätten, die dem Referendum fern blieben, aber der Volksentscheid offenbart hier eine seiner Schwächen. Eine Schwäche, welche der Schweizerischen Volkspartei (SVP) zupass kommt.

Thomas Kirchner nennt in seinem Kommentar in der SZ vom 30. November 2009 eine weitere Schwäche, wenn er schreibt, dass sich radikale Kräfte einfacher mobilisieren lassen als liberale. Das weiß auch die Regierung in Bern, die trotzdem vom Ausgang der Volksabstimmung überrascht wurde – als kenne sie ihr eigenes Volk nicht mehr…

Zudem müssen diejenigen, die sich für einen Dialog der Religionen einsetzen, erkennen, dass es ihnen nicht gelungen ist, Vorurteilen und Ängsten in der Bevölkerung entgegen zu wirken. Ein solches Eingeständnis hört man jedoch weder aus den Reihen der Regierung oder der Christen noch der Muslime.

Für eines ist der Volksentscheid jedoch geeignet: die Politik mit einer Watschen abzustrafen – unter Ausblendung möglicher Folgen. Die lassen sich derzeit für die Schweizer zwar noch nicht absehen, aber es könnte gut möglich sein, dass sich die Watschen als Boomerang erweist. Muslime fühlen sich in der Schweiz nicht akzeptiert, Vorurteile und Ängste baut der Volksentscheid nicht ab; Grund genug für die Schweizer, nach der Entscheidung für das Minarettverbot mehr denn je um Einigkeit bemüht zu sein, wenn auch dieses Mal die Österreicher nichts damit zu tun haben.

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