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Posts Tagged ‘WM’

Fünf Schritte zurück, die Beine weit auseinander, die Hände zur Faust geballt – so kennt man Christiano Ronaldo. Eigentich müsste man noch hinzufügen: dann der Schuss – am Tor vorbei. So kennt man Ronaldo bei der Fußball-EM, so hat man ihn bei der WM in Südafrika in Erinnerung. Warum hat jemand, der für Real Madrid in einer Saison 60 (!!) Tore geschossen hat, plötzlich Blei in den Schuhen, sobald er das portugisiesche Nationaltrikot überstreift?

Die Frage werden wir hier nicht beantworten können, dafür muss man mindestens die Erfahrung aus vier Jahre Kicker-Redaktion mitbringen. Darum soll es hier aber gar nicht gehen. Das Schlimme an Ronaldos Possen ist doch, dass Kinder anfangen ihn nachzuahmen, in der irrigen Annahme, ein Vorbild im Fernsehen zu sehen. Jugendliche Fußballer posieren wie das Unterwäsche-Model beim Freistoß. Da wünscht man sich das Lineal aus dem Schulunterricht zurück, mit dem der Kickerlehrling eins auf die nackten Füße bekommt.

Ein bisschen Show muss doch erlaubt sein, sagen jetzt die einen (insbesondere die, die eng mit der Inszenierung von Sport verzahnt sind). Meinetwegen, sage ich, aber wann erfasst einen wie Ronaldo die Demut, die ihn erkennen lässt, dass er auf dem Spielfeld nicht wie der Befreier der portugisieschen Fußballseele agiert, sondern mit seinen bisherigen Leistungen im Nationalteam eher wie ein trauriger Hampelmann wirkt? Wenn die Showlichter ausgehen, werden wir sehen, was von Christiano Ronaldo in rot-grün übrig bleibt – außer einer Pose beim Freistoß.

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Scheinheiliger Schweizer

Tranquilo Barnetta ist sauer. Mit dem Schweizer Fußballnationalteam unterlag er Chile in Unterzahl mit 1:0. Erzürnt schimpfte Barnetta nach dem Spiel über Arturo Vidal, mit dem Barnetta gemeinsam bei Bayer Leverkusen gegen den Ball tritt. Nach Aussage des Schweizers habe sich Vidal eine Schauspieleinlage gegönnt und so die Rote Karte gegen Valon Behrami provoziert.

Klar, in der Hitze nach dem Gefecht sagt man manchmal Dinge, die man besser nicht sagen sollte. Aber offener als in diesem Fall kann die Scheinheiligkeit eines Profisportlers nicht zu Tage treten. Hat sich Barnetta jemals im Dress von Bayer Leverkusen gegenüber den Medien über Vidal beschwert? Natürlich nicht, denn bei Bayer steht man ja auf der gleichen Seite. Schauspieler und Treter – und Vidal gehört sicherlich zu beiden Kategorien – werden mindestens geduldet.

Das ändert sich, wenn die Spieler die Trikots ihrer Nationalteams überziehen. Was im Club noch stillschweigend (jedenfalls stillschweigend gegenüber den Medien) hingenommen wird, ist plötzlich ein Skandal. Barnetta wird in der heutigen Ausgabe der Westfälischen Nachrichten sogar mit der Aussage zitiert, dass Vidal solche Schauspieleinlagen auch im Verein hinlege. Das war für den Schweizer bislang aber kein Grund, Vidal öffentlich an den Pranger zu stellen.

Eine Aussprache zwischen den Bayer-Profis kann eigentlich nur zwei Folgen haben: Entweder Vidal verzichtet auf den Einsatz seines schauspielerischen Talents oder Barnetta steht weiterhin zu seiner Kritik, womit er sich allerdings über kurz oder lang selbst aus der Mannschaft nehmen würde. Also wird irgendwann die Meldung auftauchen, dass sich beide ausgesprochen haben und alles wieder in Ordnung ist.

Es wäre schön, wenn bei Vidals nächster Einlage im Bayer-Trikot ein Journalist Barnetta in Bezug auf den jetzigen Vorfall nach seiner Meinung fragen würde. Die belanglose Antwort kennen wir aber alle schon: Das ist nicht schön, aber es passiert halt mal, das ist Fußball usw. usf.

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Bonzen bleiben der WM fern

Dass die Fifa verzweifelt versucht, Eintrittskarten für die Spiele der Fußball-WM in Südafrika loszuwerden, stand in nahezu alle Zeitungen. Angesichts der Vuvuzelas, die dem europäischen Ohr einen Angriff wild gewordener Hornissen vorgaukeln, ist es vielleicht von Vorteil, wenn die Stadien nicht ganz so voll sind.

Das Problem liegt aber nicht bei den Sitzplätzen fürs gemeine Volk. Die Verkäufer bleiben auf den Tickets für die VIP-Logen sitzen. Die SZ berichtete am letzten Januarwochenende, dass selbst für das Endspiel noch 2.000 Logensitze frei sind. Vielerorts sollen laut SZ 60 bis 100 Prozent der VIP-Plätze noch nicht verkauft worden sein. Anscheinend traut sich kein Bonze nach Südafrika. Der frühere österreichische Fußballer Peter Burgstaller wurde ja nicht vor einer Kneipe sondern auf einem Golfplatz ermordet, dort, wo sich das Geld aufhält.

Auch die Stadien in Deutschland zur WM 2006 waren nicht voll, obwohl es ständig hieß, das Spiel sei ausverkauft. Ich selbst kam in den Genuss zweier VIP-Karten. Beim Vorrundenspiel Angola gegen Portugal waren um uns herum viele bequeme Ledersitze frei. Und auch am Fernsehen konnte man die Lücken in den VIP-Reihen vieler Spiele sehen.

Was soll’s, mag der Fußball-Fan denken, für die Stimmung im Stadion waren die Bonzen ohnehin nie verantwortlich. „Scheiß Tribüne“, heißt es, wenn die Reichen bei La Ola nicht aufstehen wollen. Doch das Ganze könnte sich als Bumerang erweisen. Als Manager des FC Bayern München pflaumte Uli Hoeneß die eigenen Fans an, dass sie die niedrigen Ticketpreise denen zu verdanken hätten, die die horrenden Summen für die Logen bezahlen. Was wird wohl passieren, wenn die Logen leer bleiben?

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Thierry Henry ist zum geprügelten Hund geworden. Nicht nur die Iren, sondern auch die eigenen Landsleute zeigen mit dem Finger auf ihn und stellen den Franzosen für sein Handspiel an den Pranger. Richtig so, meint man im ersten Moment sagen zu müssen. Wer sich unfair verhält, gehört mit Spott überhäuft. Dabei zerreißen sich allerdings auch all diejenigen das Maul über Henry, die in seiner Situation ganz genauso gehandelt hätten.

Das Handspiel hat insofern Brisanz, als dass es das entscheidende Tor einleitete, durch das die Iren nicht, dafür aber die Franzosen trotz dürftiger Leistung in den Relegationsspielen zur Weltmeisterschaft nach Südafrika fahren. Dennoch bleibt es, was es ist: ein Regelverstoß. Ein Verstoß, der nicht geahndet wurde, ein Verstoß, wie er im Fußball bis hinab in die Kreisligen permanent vorkommt und immer wieder die Gemüter erhitzt.

Eben jene Gemüter mögen bitte jetzt einmal einen Schritt nach vorne machen, die sich aufrichtig davon freisprechen können, auf dem Fußballfeld in einer ähnlichen Situation nicht wie Henry zu handeln. Das ist für die Iren natürlich nur ein schwacher Trost, aber sie können ja nun nach dem Handspiel von Henry mit einem neuen Fairness-Gedanken den Fußball verändern, indem sie solche von ihnen verursachten Regelverstöße in Zukunft sofort beim Schiedsrichter anzeigen.

Das gilt übrigens nicht nur für die Iren. So wie der Regelverstoß ein Regelverstoß bleibt, bleibt Henry der Übeltäter. Der Umgang mit seiner Person spricht ihn nicht von seinem Vergehen frei. Er verdeutlicht indes die Scheinheiligkeit des Profisports. Frankreich liebt den Verrat, aber nicht den Verräter.

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