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Was wird uns da für ein Theater vorgespielt? Die Opposition behauptet, Michael Mronz, Lebensgefährte von Guido Westerwelle, habe auf der Südamerikareise des Außenministers geschäftliche Interessen verfolgt. Mronz besitzt eine Sport-Event-Agentur. Brasilien richtet 2014 die Fußball-WM und 2016 die Olympischen Spiele aus. Der Verdacht liegt nahe, aber Belege für diese Behauptung legt die Opposition nicht vor.

Darüber hinaus wird die Auswahl der Delegation kritisiert, die Westerwelle im Januar nach Asien begleitete. Darunter befand sich Ralf Marohn, Geschäftsführer der Far Eastern Fernost Beratungs- und Handels GmbH, an der auch Westerwelles Bruder Kai beteiligt ist. Die Behauptung des Auswärtigen Amts, Marohn habe zuvor schon den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck auf Asienreisen begleitet, lies dieser laut SZ Online zurückweisen. Der SZ zufolge habe Marohn lediglich die FDP-Minister Baukhage und Brüderle auf Reisen begleitet. Ferner soll ein Unternehmer mitgereist sein, der sich sein Ticket zuvor mittels einer Spende gekauft haben soll.

Sollte die Opposition keine Beweise für geschäftliche Tätigkeiten von Mronz auf der Südamerikareise vorlegen können, war es nur ein schäbiger Versuch der Stimmungsmache. Guido Westerwelles Auswahl der Asiendelegation ist mindestens als tölpelhaft zu bezeichnen. Um den Verdacht der Vetternwirtschaft aus dem Weg zu gehen, sollten Politiker den Eindruck vermeiden, Unternehmer aus dem Dunstkreis ihrer Verwandtschaft zu bevorteilen. Asienexperte, als der Marohn gilt, hin oder her, aber da gibt es sicherlich noch andere.

Höhepunkt des Bauernstücks: FDP-Generalsekretär Lindner sieht ob der Angriffe der Opposition die Demokratie in Gefahr, war in der FAZ vom 13. März zu lesen. Sicherlich ist es die allgemeine Aufgabe eines Parteigeneralsekretärs, in solchen Situationen den bissigen Übertreiber zu geben, aber so ein Schmus sollte von den Medien einfach nicht beachtet werden.

Ohnehin sollten sie die ganze Geschichte als das entlarven, was sie ist und sich nicht an ihr laben, indem Aussage um Aussage veröffentlicht wird, sei sie auch noch so dumm. Wo sind die Fragen zu den Beweisen, die die Behauptungen der Opposition untermauern? Warum lassen sich die Journalisten mit dem Statement abspeisen, dass die Auswahl der Delegationsmitglieder nach fachlichen und sachlichen Kriterien erfolgt sei? Der eigentliche Skandal ist das Versagen der Medien.

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Der Spagat zwischen Online- und Printwelt sieht bei der Welt Kompakt so aus, dass auf Seite 1 die Tweets des Tages stehen, über Barcodes oder Kurzlinks der Leser weitere Online-Informationen zu Artikeln erhält und in der Rubrik „Internet“ eine Auswahl an Postings, weiteren Tweets und – total traditionell – Leserbriefe stehen. Verdammt viel Internet auf gedrucktem Papier.

Damit aber nicht genug. Der Leser der Welt Kompakt erhält auch das Angebot, mit der Redaktion über Twitter in Kontakt zu treten. Als ich diese Möglichkeit das erste Mal sah, viel mir auf, dass viele Redakteurinnen den Leser zum Online-Zwitschern einluden. Beim zweiten Mal habe ich mir dann gedacht, dass dies kein Zufall sein kann. In der Ausgabe vom 9. Dezember 2009 gab es sieben Angebote, mit der Redaktion zu twittern, sechs von Redakteurinnen.

Zufall oder Absicht? Laut einer Umfrage sind zwei von drei deutschsprachigen Twitter-Usern männlich. Das Gezwitscher scheint also eher das so genannte starke Geschlecht anzuziehen. Und wovon fühlt es sich noch angezogen? Klar, vom vermeintlich schwachen Geschlecht. Bei der Einladung einer Frau zum lockeren (anonymen) Plaudern, wird so mancher schwach.

Hinzu kommt, dass überregionale Zeitungen laut einer Erhebung des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger überwiegend von Männern gelesen werden. Es ist kaum vorstellbar, dass die Welt Kompakt diese Fakten nicht kennt und nicht für ihre Zwecke nutzen würde.

Das Impressum der Welt Kompakt zählt übrigens fünfzehn Redakteure und nur drei Redakteurinnen auf. Die zwitschernden Kollegen(innen) sind nicht darunter. Vielleicht ist der Anteil der Frauen unter den freien Journalisten der Welt Kompakt aber so hoch, dass es wirklich nur ein Mann ins Twitter-Team schafft. Gut für die Welt Kompakt, gut für ihre Kundenansprache.

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